Vereinfachte Methode (basierend of einer Idee von E.S. King)

Die präzise Ausrichtung erfordert einiges an Vorwissen und detaillierte Kenntnis der einzelnen Arbeitsschritte. Damit man aber schnell die Vorteile erkennen kann, sei zuerst ein visuelles Vorgehen vorgestellt, welches zwar nicht die genauesten Resultate liefert, aber die prinzipiellen Punkte hervorhebt.

  1. Ungefähre Nivellierung des Stativs. Es reicht vollständig die Nivellierung mit Sorgfalt von Auge zu prüfen.

  2. Grobe Ausrichtung mit Hilfe eines Polsuchers. Kann kein Polsucher an der Montierung angebracht werden, dann verwendet man das eigentliche Teleskop in dieser Art.

  3. Kalibration des Messfelds des Okulars. In der einfachsten Form sollte dies ein Fadenkreuzokular sein besser ist ein Fadenkreuz mit einer Unterteilung oder eines mit einem Gittermessfeld. Man bestimmt den Durchmesser des Gesichtsfelds de in Bogensekunden mit der vereinfachten Gleichung

    de  ~~  15.0 Dt

    mit einem Stern in der Nähe (d < ±10o) des Himmelsäquators. Der Gesichtsfelddurchmesser sollte nicht mehr als etwa 300...400 '' betragen. Ist eine Teilung vorhanden, dann dividiert man den Durchmesser durch die Anzahl Einheiten und bekommt so die Länge pro Einheit.

  4. Zentrieren des Sterns Polaris auf dem Fadenkreuz bei eingeschalteter Nachführung.

  5. Das Fadenkreuz wird von Auge parallel zum Horizont ausgerichtet.

    Verwendet man ein Zenitprisma, dann muss der umgelenkte Strahl senkrecht auf dem Horizont stehen. Beides prüft man von Auge.

  6. Nach einem eventuellen erneuten Zentrieren des Polaris lässt man das Teleskop 1371 Sekunden oder ca. 23 Minuten ungestört nachführen.

  7. Nun schätzt man den Weg l in Bogensekunden, welcher Polaris in diesen 23 Minuten zurücklegte und berechnet mit der Gleichung

    cr = l× 10

    die Poldistanz der Stundenachse. Damit hat man bereits eine gute Vorstellung wie es um die Genauigkeit der Ausrichtung steht. Dieser Wert ist trotz aller Vereinfachung im Rahmen der Schätzung exakt.

  8. Nun fertigt man eine massstäbliche Skizze des Messfelds und der beobachteten Situation im Okular an. Dreht man das Diagramm um 90o im Uhrzeigersinn, dann bekommt man direkt die Richtung, in welcher das Nordende der Stundenachse verschoben werden muss. Dabei entspricht die neue horizontale Richtung der Korrektur in Azimut und der dazu senkrechten der Elevation.

    Verwendet man ein Zenitprisma, dann muss das Diagramm zuerst an der Senkrechten, welche durch das Zentrum verläuft, gespiegelt und dann wie eben beschrieben um 90o im Uhrzeigersinn gedreht werden.

    Fällt man das Lot am Endpunkt auf die beiden Achsen des Fadenkreuzes, und multipliziert diese Werte ebenfalls mit dem Faktor 10, dann weiss man um wieviel Bogensekunden die Stundenachse parallel und senkrecht zum Horizont bewegt werden muss.

  9. Zentriert man nun Polaris erneut und bewegt die Stundenachse um die vorher bestimmten Beträge in diesen Richtungen, dann gelangt man schliesslich zum refraktiven Pol.

  10. Kontrolle der Einstellung durch erneutes Abarbeiten der Punkte 1 bis 7. Fällt im Schritt 7 die Spurlänge und damit der Polabstand geringer aus, dann hat man die grundlegenden Vorgänge erarbeitet. Trifft dies nicht zu, dann prüft man die Punkte 3 und 8.

Hat man keinen Polsucher zur Hand, dann ist die grobe Ausrichtung im Schritt 2 der schwierigste Teil. Es sei nochmals hervorgehoben, dass dieses Vorgehen keine exakte Ausrichtung der Stundenachse erlaubt und es nur wichtig ist, dass die Poldistanz verringert wurde.


Kommentare, Fragen, Korrekturen: markus.wildi@one-arcsec.org

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